## Zur Iranerin — dem Herzstück der Kritik
Der Krieg wird nicht für die Iranerin geführt. Er wird unter Berufung auf sie gerechtfertigt. Das ist ein Unterschied, den zu begreifen offenbar einige Anstrengung erfordert — oder einigen Unwillen überwindet.
Denn fragen wir doch einmal ganz nüchtern, ganz eigennützig, ganz im Geiste Stirners:
- Führt Washington diesen Krieg, weil eine junge Frau in Teheran kein Kopftuch tragen will?
- Bombardiert die US Air Force iranische Stellungen, weil ein Händler im Basar von Isfahan unter Sanktionen leidet?
- Schickt das Pentagon Carrier Strike Groups in den Persischen Golf, weil ein Intellektueller in Schiras seine Gedanken nicht frei äußern kann?
- Fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe auf iranische Nuklearanlagen, weil sie nachts nicht schlafen kann vor Sorge um die Rechte iranischer Frauen?
- Drängt Tel Aviv auf die Zerschlagung des iranischen Atomprogramms, weil es ihm um die Pressefreiheit in Teheran geht?
Wer das glaubt, hat aus den letzten sechzig Jahren amerikanischer *und* israelischer Außenpolitik nichts gelernt. Nicht aus dem Iran von 1953, als die CIA Mossadegh stürzte — nicht für die Freiheit der Iraner, sondern für das Öl der Anglo-Iranian Oil Company. Nicht aus Vietnam, wo man "die Freiheit verteidigte", bis man sie in My Lai eigenhändig massakrierte. Nicht aus dem Irak, wo die "Massenvernichtungswaffen" so real waren wie der Weihnachtsmann, und die "Befreiung" ein Land hinterließ, das zwanzig Jahre später noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Nicht aus Libyen, wo man Gaddafi stürzte, "um die Zivilbevölkerung zu schützen", und ein Land hinterließ, in dem heute offene Sklavenmärkte betrieben werden. Nicht aus den jahrzehntelangen israelischen Operationen im Libanon, in Syrien, in Gaza — die stets der *eigenen* Sicherheit dienten, nie der Freiheit der dortigen Bevölkerung, und die stets mit dem Vokabular der Selbstverteidigung gerechtfertigt wurden, während sie ganze Landstriche in Trümmer legten.
Israel hat vollkommen *rationale*, vollkommen *eigennützige* Gründe, den Iran geschwächt zu sehen. Hisbollah im Norden, Hamas im Süden, iranische Drohnen und Raketenprogramme, die nukleare Schwelle — das sind *reale* Bedrohungen, und ich leugne sie nicht. Aber man möge die Ehrlichkeit besitzen, diese Gründe beim Namen zu nennen, statt sie hinter dem Antlitz einer unterdrückten Iranerin zu verbergen. Israel will den Iran entwaffnet, nicht befreit. Washington will eine Region, die seiner Ordnung gehorcht, nicht eine Region, die frei ist. Beides mag aus der jeweiligen Staatsräson *logisch* sein — aber es hat mit dem Eigennutz der Iranerin so viel zu tun wie der Appetit des Wolfes mit dem Wohlergehen des Lammes.
Die Iranerin ist nicht das Ziel dieses Krieges. Sie ist das *Argument*. Sie ist — und ich sage das mit vollem Bewusstsein der Schärfe — der neueste Spuk, der neueste Heilige, in dessen Namen man Bomben wirft. Gestern hieß der Spuk "Massenvernichtungswaffen". Vorgestern "Dominotheorie". Heute heißt er "unterdrückte iranische Frau". Morgen wird er anders heißen. Die Bomben werden dieselben sein — ob sie nun aus Missouri oder aus dem Negev abgefeuert werden.
Man zeige mir *einen* Krieg, der geführt wurde, weil eine Frau frei sein wollte, und ich zeige dem Kritiker eine Welt, in der sein Argument Bestand hat. Bis dahin zeige ich ihm die Welt, in der wir leben — eine Welt, in der Frauen als Plakatmotiv für Kriege dienen, die anderen nützen.
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### Zur falschen Dichotomie
Ich stelle nicht alle Seiten moralisch gleich. Ich weigere mich lediglich, moralische Urteile als Blankoscheck für politisches Handeln zu akzeptieren. Das Mullah-Regime ist abscheulich — ja. Es foltert, es mordet, es unterdrückt — ja. Es hängt Homosexuelle an Baukränen, es erschießt Demonstrantinnen, es finanziert Terrormilizen von Beirut bis Sanaa — ja, ja, und nochmals ja. Ich bin der Letzte, der das beschönigt. Jede Unterdrückung des Einzigen widert mich an, gleichgültig ob sie von Mullahs, von Generälen oder von demokratisch gewählten Bürokraten ausgeübt wird.
Aber aus der Tatsache, dass A abscheulich ist, folgt nicht, dass jeder, der A bekämpft, ein Wohltäter ist. Aus der Tatsache, dass das Regime in Teheran eine Tyrannei ist, folgt nicht, dass derjenige, der es bombardiert, die Freiheit bringt — gleichgültig ob er von einer Basis in Qatar oder von einer in der Negev-Wüste operiert. Die Logik "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ist nicht Eigennutz — sie ist die Kapitulation des Denkens vor der Bequemlichkeit.
> *Entweder du bist für den Krieg, oder du bist für die Mullahs. Entweder du bejubelst die Bomben, oder du lässt die Unterdrückten im Stich.*
Das ist die älteste rhetorische Falle der Kriegspropaganda, und sie funktioniert seit Jahrtausenden zuverlässig. Wer nicht für den Kreuzzug war, war gegen Christus. Wer nicht für den War on Terror war, war für bin Laden. Wer nicht für die Bombardierung Teherans ist, ist für die Mullahs. Wer Israels Militäroperationen hinterfragt, ist gegen Israels Existenzrecht.
Nein. Der Einzige lässt sich nicht in dieses Entweder-Oder pressen. Er fragt — und das ist keine Paralyse, sondern die einzige Form des Denkens, die den Namen verdient: *Wem nützt es? Was kostet es? Und wer bezahlt?*
Wenn Washington bombardiert, nützt es dem amerikanischen Machterhalt in der Region. Wenn Israel bombardiert, nützt es der israelischen Sicherheitsarchitektur. Wenn beide gemeinsam bombardieren, nützt es beiden. — Wem es *nicht* nützt, das ist die Iranerin, die unter den Trümmern liegt, oder die, die nach dem Krieg feststellen wird, dass an die Stelle der Mullahs nicht die Freiheit getreten ist, sondern das Chaos, die Warlords, die nächste Tyrannei — wie in jedem einzelnen der historischen Beispiele, die ich bereits angeführt habe.
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### Zur Frage der Befreiung von außen
Mein Kritiker tut so, als sei die einzige Alternative zur Tyrannei der Mullahs die Befreiung durch amerikanische Bomben und israelische Präzisionsschläge. Er unterschlägt dabei die einzige Form der Befreiung, die den Einzigen tatsächlich befreit — nämlich die Selbstbefreiung. Was hingegen von außen kommt — die Bomben, die "Befreiung", die "neue Ordnung" —, das ist stets die Ersetzung eines Gespenstes durch ein anderes. Der Mullah wird gestürzt, und an seine Stelle tritt — was? Fragen wir die Geschichte:
- Iran 1953 trat an die Stelle des gestürzten Mossadegh der Schah — und an die Stelle des Schahs, fünfundzwanzig Jahre später, die Mullahs. Die "Befreiung" gebar die Tyrannei, die mein Kritiker heute bekämpfen will.
- Irak 2003 trat an die Stelle Saddams das Chaos, der Bürgerkrieg, der IS, die iranische Einflussnahme — also genau jene Mullahs, die man jetzt ein zweites Mal zu stürzen gedenkt. Und Israel, das den Irak-Krieg hinter den Kulissen befürwortete, weil Saddam seine Erzfeinde finanzierte? Es bekam statt eines geschwächten Rivalen einen iranischen Vasallenstaat an seiner Ostflanke. Auch hier: Der Schuss ging nach hinten los — *buchstäblich*.
- Libyen 2011 trat an die Stelle Gaddafis ein failed state mit zwei Regierungen, Warlords und offenen Sklavenmärkten.
- Afghanistan trat an die Stelle der Taliban... nach zwanzig Jahren und zwei Billionen Dollar: die Taliban.
- Gaza seit 2023: Israel bombardiert den Gazastreifen in beispiellosem Ausmaß, um die Hamas zu vernichten. Und was wächst in den Kratern? Die nächste Hamas. Unter anderem Namen, vielleicht — aber mit demselben Hass, genährt von denselben Trümmern. Auch hier die eiserne Logik: Gewalt von außen *erzeugt* den Widerstand, den sie zu brechen vorgibt.
Soll ich weitermachen? Oder genügt das, um zu zeigen, dass "Befreiung von außen" ein Widerspruch in sich ist — ein Spuk, verkleidet als Realpolitik? Gleichgültig ob der Absender Washington oder Tel Aviv heißt, das Ergebnis ist dasselbe: Nicht Freiheit, sondern die nächste Runde des Elends.
— Der Einzige